Rettung Skandalbank Hypo Real Estate noch teurer

Finanzkrise: Die Rettung der Skandalbank Hypo Real Estate (HRE) kann für die Steuerzahler deutlich teurer werden als bisher bekannt.

Wie das Hamburger Magazin stern in seiner aktuellen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, liegt dem Finanzministerium ein geheimes Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers vor, wonach die Ausfallrisiken auf bis zu 60 Prozent der Bilanzsumme des Immobilienfinanzierers steigen könnten. Das wären im schlimmsten Fall 235 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt beträgt in diesem Jahr rund 290 Milliarden Euro.

Bisher haben der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin, die Bundesbank und die deutsche Kreditwirtschaft die HRE mit Krediten und Garantien über insgesamt 102 Milliarden Euro gestützt. Regierungsvertreter räumten nach stern-Informationen auch in dem geheim tagenden parlamentarischen Kontrollgremium des Soffin ein, dass die Garantiesumme für die HRE noch deutlich ansteigen könne.

Das Bundesfinanzministerium wollte auf Anfrage des stern die Aussagen des Geheimgutachtens nicht kommentieren und verwies auf die HRE. Ein Sprecher der Hypo Real Estate sagte dem stern: „Wir kennen das Gutachten nicht und können die Zahlen nicht nachvollziehen.“

Kundenzufriedenheit im Online-Banking ausbaufaehig

Das Online-Angebot der deutschen Banken trifft bei den Kunden auf ein geteiltes Echo. Zwar stellen 85 Prozent der Bankkunden ihrem Geldinstitut für Standardleistungen, wie beispielsweise Inlandsüberweisungen im Internet, Bestnoten aus. Doch mit zunehmender Komplexität der Kontofunktion sinkt die Zustimmung.

So bewertet nur noch jeder dritte Online-Kunde den Abschluss von Aktiengeschäften und Kapitalanlagen als sehr positiv. Das schlechteste Zeugnis stellen die Internet-Nutzer der Online-Finanzierung aus. Für 41 Prozent der Bankkunden besteht bei dieser Funktion Verbesserungsbedarf. Dabei sind Investitionen in die Web-Portale der Institute bares Geld wert. Denn mehr als zwei Drittel der Online-Nutzer würden ihre Bank wechseln, wenn sie bei anderen Instituten bessere Online-Angebote erhalten. Dies ergab die Trendstudie Bankpräferenzen des Consulting- und Softwarehauses PPI AG in Kooperation mit www.handelsblatt.com und dem www.imwf.de Institut für Management- und Wirtschaftsforschung.

Besonderes Augenmerk ist bei Online-Diensten geboten, die über die Standardleistungen hinausgehen. So stufen 82 Prozent der Befragten die komplexe Depotverwaltung als wichtig ein. Sehr zufrieden sind damit jedoch nur 41 Prozent. Ein ähnliches Frustpotenzial besteht bei Finanzierungsgeschäften. Knapp 30 Prozent der Bankkunden empfindet diesen Dienst als relevant. Doch die Zahl derjenigen, die mit der erbrachten Leistung zufrieden sind, fällt mit mageren zehn Prozent deutlich niedriger aus.

Institute müssen jedoch nicht nur der Kundenzufriedenheit Rechnung tragen. Ein weiteres Problem ist, dass viele Kunden die Online-Produkte ihrer Bank nicht einmal kennen. So wissen mehr als 20 Prozent der Online-Banking-Nutzer nicht, dass sie Kapitalanlagen abschließen und Kontoeröffnungen via Internet vornehmen können. Zudem ist bei mehr als jedem zweiten Bankkunden nicht bekannt, dass online auch SEPA-Überweisungen innerhalb des europäischen Zahlungsverkehrsraumes möglich sind. Fast genau so viele tappen beim Internetangebot von komplexen Finanzierungsgeschäften im Dunkeln.

Hintergrundinformationen Die Studie „Bankpräferenzen 2008“ stellt die Ergebnisse einer Online-Befragung dar, die im Auftrag von PPI in Kooperation mit dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung und Handelsblatt.com durchgeführt wurde. An der Befragung haben 859 Endverbraucher teilgenommen. Befragungszeitraum: 6. bis 27. Oktober 2008.

Finanzkrise und IT-Investitionen

Die aktuelle Bankenkrise macht hierzulande noch einen großen Bogen um die IT in den Finanzinstituten. Nur bei einem kleinen Kreis der Banken und Sparkassen stehen nach einer Erhebung im Auftrag des internationalen Systemhauses C&P AG die IT-Investitionen zur Disposition und sind deutliche Einschnitte vorgesehen.

Mehrheitlich wird bei den über 100 befragten Kreditinstituten eine solche Diskussion im Moment allerdings noch gar nicht geführt. Wo jedoch IT-Projekte gestrichen werden sollen, bleiben davon solche Maßnahmen weitgehend verschont, die entweder aus gesetzlichen Gründen – wie etwa der neuen Abgeltungssteuerung – erforderlich sind oder die eigene Vermarktung unterstützen.

Laut der Untersuchung plant gegenwärtig nicht einmal jede zehnte Bank deutliche Kürzungen bei den IT-Investitionen. Bei weiteren 15 Prozent sollen wenige größere Vorhaben zeitlich verschoben werden. In jedem fünften Fall stehen außerdem einzelne kleinere Projekte vor dem Aus. Drei von fünf der befragten Banken haben demgegenüber noch keinerlei konkrete Entscheidungen getroffen, Beschneidungen bei den IT-Budgets vorzunehmen und ursprünglich geplante Vorhaben auszusetzen oder vollständig zu stornieren.

Diese von der momentanen Bankenkrise relativ unabhängigen Investitionsplanungen entsprechen auch den Eindrücken des Systemhauses C&P AG, das vor allem in der Softwareentwicklung für Finanzinstitute tätig ist. „Bisher wurden weder Projekte gekürzt noch zukünftige Vorhaben zur Diskussion gestellt“, berichtet C&P-Vorstand Kurt Glabischnig aus der Praxis.

Daran soll sich nach den Einschätzungen der meisten befragten Bankmanager auch nicht wesentlich etwas ändern. So glauben nur 17 Prozent, es könne doch noch zu deutlicheren Einschnitten bei den IT-nahen Investitionen kommen. Weniger skeptisch ist der Rest. Diese Führungskräfte gehen davon aus, dass mögliche weitere Budget-Kürzungen nur in einem begrenzten Rahmen stattfinden werden (51 Prozent) oder sie vollständig von Mittelstreichungen verschont bleiben (32 Prozent).

Den Befragten der C&P-Umfrage zufolge stehen dann bei möglichen Sparmaßnahmen vor allem nur solche Maßnahmen auf dem Prüfstand, die sich auf die Optimierung der Unternehmensorganisation oder des IT-Infrastrukturbetriebs beziehen (27 bzw. 21 Prozent). Die Lösungen, in denen die Kreditinstitute Vorgaben des Gesetzgebers erfüllen müssen, sollen logischerweise kaum von Budget-Streichungen betroffen sein. Aber auch die vornehmlich marktorientierten Projekte stehen praktisch nicht zur Disposition. Dazu zählen alle technischen Maßnahmen und die Entwicklung solcher Anwendungen, die beispielsweise das Kundenmanagement, die Vermarktung der Bankprodukte und den Vertrieb unterstützen. Nur 7 Prozent der Befragten geben an, dass hier nach gegenwärtigem Entscheidungsstand Kürzungen erfolgen werden.

„Anders als in der Vergangenheit gehört es nicht mehr zum typischen Reflex, in Phasen wirtschaftlicher Krisen in erster Linie ein Cost Cutting vorzunehmen und sich bei den IT-Projekten vor allem auf Maßnahmen zur Kostenersparnis zu fokussieren“, glaubt Glabischnig eine wesentliche Änderung in den Bankenstrategien festgestellt zu haben. Stattdessen würde in einer solchen Situation der Blick auf eine Verbesserung der Vermarktungsbedingungen ausgerichtet. „Die Erlössteigerung wird heutzutage eher als ein probates Mittel zur Verbesserung der Rendite angesehen“, glaubt der C&P-Vorstand. Daraus leite sich die Konsequenz ab, dass es keinen wesentlichen Stillstand bei den IT-Maßnahmen geben dürfe und sich konjunkturelle Einflüsse weniger deutlich als früher im Investitionsverhalten niederschlagen.