Winnenden – Geisel vom Amoklaeufer verhinderte groesseres Blutbad

Die Geisel des  Amokläufers von Winnenden hat ganz offensichtlich ein noch größeres Blutbad verhindert.

In der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des Hamburger Magazins stern spricht der Deutsch-Kasache Igor Wolf erstmals über seine knapp zweistündige Irrfahrt mit Tim Kretschmer. Dabei habe ihn der Amokläufer gefragt: „Meinst du, wir finden noch eine andere Schule?“ Geistesgegenwärtig wechselte Familienvater Wolf das Thema.

Igor Wolf war am vorigen Mittwoch vor der Psychiatrischen Landesklinik Winnenden in die Gewalt Kretschmers geraten, als er dort in seinem VW Sharan auf seine Ehefrau wartete. Nur Minuten zuvor hatte der 17-Jährige in der Albertville-Realschule bereits neun Schüler und drei Lehrerinnen getötet.

Im stern erzählt Igor Wolf, wie Kretschmer die rechte Hintertür seines Autos aufriss, auf den Rücksitz sprang und ihm die Pistole ins Gesicht hielt. „Fahr schnell“, habe der Amokschütze gesagt und, die genaue Zahl seiner Opfer nicht kennend: „Ich habe schon 15 Menschen umgebracht in meiner alten Schule, und das war für heute noch nicht alles.“ Im Laufe der Fahrt habe Kretschmer mit der Waffe in der rechten Hand auf ihn gezielt und mit der linken Hand mehrere Ersatzmagazine für die Pistole aufgefüllt. „Er bereitet sich auf die nächste Schießerei vor, das ging mir durch den Kopf“, so Wolf zum stern. Irgendwann habe Tim Kretschmer ihm dann die Frage nach einer „anderen Schule“ gestellt.  Die Geisel ging darauf nicht weiter ein. „Ich habe ihn zur Ablenkung gefragt, wo willst du denn hin, wohin soll ich dich denn fahren?“ Wolf versuchte den Jungen immer wieder zu beschwichtigen. „Warum machst du so einen Scheiß?“, fragte er ihn. „Ganz laut hat er geantwortet: ‚Aus Spaß, weil es Spaß macht‘.“

Amoklauf Winnenden – Wie gefaehrlich sind Killerspiele?

TV Talk: „Nach dem Amoklauf – Wie gefährlich sind Killerspiele?“ Dienstag, 17. März 2009, 22.15 Uhr auf Phoenix

Nach dem Amoklauf von Winnenden stehen Killerspiele wieder in der Kritik. Deutschlands größte Jugendstudie belegt jetzt: Neuntklässler verbringen täglich im Durchschnitt 140 Minuten mit Computerspielen.

Dabei besonders beliebt: „Ego-Shooter“ wie „Word of Warcraft“ und „Counter-Strike“. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer spricht sich für ein Verbot aus. Warum verliert die Gesellschaft Jugendliche an eine Phantasiewelt aus Blut und Gewalt? Wie sinnvoll ist ein Verbot? Nach Erfurt, Emsdetten und Winnenden – drohen nun auch in Deutschland amerikanische Verhältnisse? Anke Plättner diskutiert in der PHOENIX RUNDE u.a. mit Prof. Christian Pfeiffer (Kriminologe), Michael Wallies (Medzinstudent, war süchtig nach Computerspielen) und Malte Behrmann (GAME e.V. – Bundesverband der Entwickler von Computerspielen).